Observatorium

Touristen und Einheimische

Das Thema dieser Ausgabe von Teatro de Barra bietet viel Diskussionsstoff: Tourismus, für den sich keiner der Autoren ausgesprochen hat, oder Ähnliches.

Pedro Mas und Aina Jagla, in „Zu verkaufen“.
08/02/2026
2 min

PalmeAchtundzwanzig Aufführungen fanden bereits in den Bars verschiedener Lokale in Ciutat statt, die sich im Laufe der Jahre zu wahren Theaterzentren entwickelt haben. Jeden Donnerstag strömen die Gäste hierher, um bei einem Bier und einer Tapa die wunderbaren kleinen Geschichten zu genießen. Das diesjährige Thema bietet reichlich Stoff: Tourismus, den keiner der Autoren verherrlicht oder auch nur angedeutet hat. Andererseits ist es schwieriger denn je, eine Aufführung der anderen vorzuziehen.

WasserVon Alfonso Morillas, unter der Regie des stets überraschenden und exzentrischen Bernat Molina, mit Laura Andújar und Héctor Seoane in den Hauptrollen. Skurril, bizarr und pathetisch präsentieren sie uns ein apokalyptisches Werk, eine groteske Farce. Mad Max was stattfindet in Das Liebesboot. Eine von Natur aus explosive Kombination.

Das Schweigen der BewohnerGeschrieben und inszeniert von Jaume Sureda und mit Marina Font und Enric Garcia in den Hauptrollen, ist dieser Film eine Parodie auf die berühmte Beziehung zwischen Hannibal Lecter und Clarice Starling. Die Geschichte wird hier als Tourismusinspektorin und Ärztin neu interpretiert, die gleichzeitig Besitzerin und Küchenchefin eines Restaurants mit ungewöhnlichen Gerichten ist. Die Hauptfigur wirkt vielleicht etwas unausgeglichen, ein wenig überzeichnet, und der Koch ist eigenwillig und geheimnisvoll. Trotzdem ist der Film sehr lustig.

Zu verkaufenXisco Joans Stück, inszeniert von Pedro Orell und mit den großartigen Aina Jagla und Pedro Mas in den Hauptrollen, ist ein urkomisches Feuerwerk, ein witziger Molotowcocktail, dessen Besetzung wunderbar harmoniert. Ein Mallorquiner, gebissen von einer Touristenkatze, verwandelt sich bei Vollmondnächten in einen Deutschen. Diese Metamorphose ist zugleich ein Kommentar zum Wandel unserer Gewohnheiten, von Essen bis Sprache. Ein Film, der zum Nachdenken und Lachen anregt.

Piano ManGeschrieben und inszeniert von Alba Vinton und mit Mariona Hauf und Richard Vinton in den Hauptrollen, ist dieser Film eine Ode an die Nostalgie, das Porträt eines Mannes, der sich weigert, die Idee einer möglichen Vergangenheit loszulassen. Er sitzt am Klavier – eine Allegorie für eine Zeit, die niemals wiederkehren wird. Der Film ist berührend, und Richard Vintons musikalische Darbietungen verleihen ihm eine besondere Note, da sie auf gewisse Weise seine eigene Geschichte erzählen. Lustig? Keineswegs. Berührend? Absolut.

FastpassGeschrieben und inszeniert von Maria Garalve, mit Aina Zuazaga und José Artero in den Hauptrollen, ist dieses Stück eine wirklich vernichtende Kritik. Es schlägt einen anderen Weg ein und konzentriert sich auf die Deutschen, die ankommen, sich umschauen und alles kaufen. Und alles bedeutet wirklich alles. Es ist die Geschichte des Käufers und der Ware. Es ist eine Metapher für die neuen Eroberer, jene, die nicht mit einer Waffe kommen, sondern mit einem Scheck, der all unsere Prinzipien und Rhetorik zunichtemacht und jedes Vorurteil verschwinden lässt. Nach dem Lachen: Nachdenken – und das Lachen wird vergehen. Es ist ein Spiegel, in dem wir uns selbst in absoluter Klarheit erkennen.

PS: Eine Neuauflage zum Thema Tourismus mit Mallorquinern in den Hauptrollen ist sehr empfehlenswert.

stats