Zwischen Wüste und Erinnerung: Ein halbes Jahrhundert sahrauischer Widerstand
Heute feiern wir den fünfzigsten Jahrestag der Ausrufung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS). Die dreifarbige Halbmondflagge wurde am 27. Februar 1976 in Bir Lehlu, einem kleinen Dorf mitten in der Wüste, zum ersten Mal gehisst. Dieser Moment war weit mehr als eine bloße politische Erklärung; er symbolisierte den Kampf eines Volkes ums Überleben.
Die Westsahara ist ein Landstreifen zwischen Kap Bojador und Kap Blanc, zwischen dem Atlantischen Ozean und der Wüste, mit einer Fläche von etwa 266.000 Quadratkilometern. Sie grenzt an Marokko, Algerien und Mauretanien. Die Region war einst von Nomaden bewohnt und ist reich an Bodenschätzen, insbesondere Phosphaten.
Werfen wir einen Blick in die Geschichte: Die Ausrufung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) erfolgte in einer turbulenten Zeit. Nach fast einem Jahrhundert spanischer Präsenz zog sich Madrid im Zuge des von den Vereinten Nationen (UN) vorangetriebenen Dekolonisierungsprozesses aus dem Gebiet zurück. Der Rückzug erfolgte überstürzt, da Franco im Sterben lag und der spanische Übergang zur Demokratie noch in den Anfängen steckte. Das entstandene politische Vakuum wurde von Marokko und Mauretanien gefüllt, was einen Krieg mit der Polisario-Front auslöste, der Bewegung, die die nationalen Bestrebungen der Sahrauis verteidigt.
Der Konflikt durchlief im Laufe der Jahre mehrere Phasen. Mauretanien zog sich 1979 zurück, doch Marokko festigte seine Kontrolle über den Großteil des Gebiets. Viele Sahrauis flohen und fanden Zuflucht in Flüchtlingslagern in Algerien, wie beispielsweise in Tindouf. Nach jahrelangen Kämpfen wurde 1991 ein Waffenstillstand vereinbart, verbunden mit dem Versprechen eines Referendums, das der Bevölkerung die Entscheidung über ihre Zukunft ermöglichen sollte. Die MINURSO wurde gegründet, um diesen Prozess zu überwachen. Das Referendum fand jedoch nie statt, und der politische Prozess stagniert weiterhin.
Die Situation hat sich im Laufe der Zeit verkompliziert. Marokko befürwortet Autonomie unter seiner Souveränität. Das sahrauische Volk besteht weiterhin auf einem freien und verbindlichen Referendum. Diese Uneinigkeit hat jeglichen Fortschritt verhindert und gipfelte 2020 in erneuten bewaffneten Auseinandersetzungen. Heute ist das Gebiet aufgeteilt in das von Marokko kontrollierte Gebiet, einen von der Polisario kontrollierten Teil und die Flüchtlingslager. Diese Teilung trennt Familien und verlängert ein scheinbar endloses Warten.
Trotz aller Schwierigkeiten hat die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) eigene Regierungsstrukturen aufgebaut. In den Flüchtlingslagern wurden unter extremen Bedingungen Schulen, Gesundheitszentren und Räume für politische Teilhabe geschaffen. Das Leben in der Wüste ist hart, aber es ist auch ein Beispiel für Organisation und Widerstandsfähigkeit. Die Sache der Sahara wird von mehreren Ländern anerkannt, und sie ist Mitglied der Afrikanischen Union. Eine endgültige Lösung steht jedoch noch aus und hängt vom Willen der internationalen Gemeinschaft ab.
Spanien trägt in diesem Konflikt eine klare Verantwortung, denn, wie bereits erwähnt, war die Westsahara eine Kolonie. Spanien hatte sich jahrelang für ein Referendum über das Selbstbestimmungsrecht unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen eingesetzt. Doch 2022 unterstützte die Regierung unter Pedro Sánchez ausdrücklich den von Marokko eingebrachten Autonomievorschlag. Dieser Positionswechsel löste innerhalb der Regierung selbst Debatten und Meinungsverschiedenheiten aus, da einige Kreise weiterhin das Selbstbestimmungsrecht als einzig legitimen Weg verteidigten. Gleichzeitig wurden unter Beteiligung internationaler Akteure, wie beispielsweise der Regierung von Donald Trump, Versuche unternommen, die Verhandlungen wiederzubeleben, doch bisher wurden keine konkreten Fortschritte erzielt.
Angesichts dieser institutionellen Lähmung hat die Zivilgesellschaft nicht geschwiegen. Auf den Balearen setzt sich der Verein der Freunde des sahrauischen Volkes seit den 1980er Jahren für Flüchtlinge ein und informiert die Öffentlichkeit. Sein bekanntestes Projekt ist „Vacances en Pau“ (Friedensurlaub): Jeden Sommer verbringen Hunderte sahrauische Kinder einige Monate bei Gastfamilien auf den Inseln. So können sie den harten Bedingungen der Wüste entfliehen, medizinische Versorgung erhalten und sich gesund ernähren. Der Verein organisiert außerdem Hilfslieferungen, Gesundheitsprojekte und Aufklärungsarbeit. Anlässlich des 50. Jahrestages der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) veranstaltet der Verein Gedenk- und Besinnungsveranstaltungen. Gezeigt wird ein Dokumentarfilm. Westsahara: Erinnerung an den Widerstand Es wird ein Gespräch mit sahrauischen Vertretern und Menschenrechtsaktivisten stattfinden. Dabei sollen Zeugenaussagen gehört und daran erinnert werden, dass das Recht auf Selbstbestimmung weiterhin unerfüllt ist.
Zum Schluss noch eine interessante Anekdote. Laut sahrauischer Tradition müssen drei Tees nacheinander getrunken werden: Der erste ist bitter wie das Leben, der zweite süß wie die Liebe und der dritte mild wie der Tod. Dieses Bild fasst ihre jüngere Geschichte treffend zusammen: Leid, Hoffnung und Durchhaltevermögen.
Fünfzig Jahre später warten die Sahrauis immer noch auf die Erfüllung des Versprechens einer gerechten Lösung. Es ist nur recht und billig, das Geschehen in diesem Teil der Welt nicht zu vergessen.