Lehrer überfordert vom frühen Beginn der Auswahlprüfungen: „Ich habe vier Gruppen von Schülern der zweiten Jahrgangsstufe und 140 Schüler.“
Fachleute berichten von übermäßiger Arbeitsbelastung in der Endphase des akademischen Jahres und warnen vor Schwierigkeiten bei der Vorbereitung, da die Zeitpläne bis zum Äußersten ausgereizt sind.
PalmeEs galt schon immer als ausgemacht, dass die zuletzt eintreffenden Lehrkräfte meist diejenigen sind, die die unbeliebten Klassen und Fächer übernehmen müssen. Das ist eine ungeschriebene Regel, die in den Lehrerkonferenzen jedoch allgemein akzeptiert wird. An zweiter Stelle stehen die Vertretungslehrer, die die Aufgaben der Lehrkraft übernehmen, die sie vertreten, oder kurzfristig ausfallende Stellen besetzen. So läuft das nun mal, und jeder kennt die Regeln. Doch dieses Jahr hat sich alles geändert. Die Lehrereinstellungsprüfungen finden am 9. und 10. Mai statt, direkt am Ende des Schuljahres – ein Termin, der den Druck auf die Vertretungslehrer, die daran teilnehmen möchten, zusätzlich erhöht. Besonders betroffen sind die Lehrer der zweiten Jahrgangsstufe des Bachillerato (Abitur), einem besonders anspruchsvollen Jahrgang aufgrund der nahenden Hochschulzugangsprüfungen und des umfangreichen Lernstoffs.
„Ich habe vier Abiturientenklassen im zweiten Jahr mit je 35 Schülern, insgesamt also 140“, erklärt ein Vertretungslehrer mit Festanstellung auf Mallorca. „Das bedeutet ständige Korrekturen, gezielte Vorbereitung auf die Hochschulaufnahmeprüfungen und ein Engagement, das weit über die Unterrichtszeit hinausgeht.“ Das Problem, so sagt er, sei, dass er bei Annahme der Stelle nicht wusste, dass es sich um diese Klassenstufe handelte. „Ich habe sie angenommen, weil in der Stellenbeschreibung nicht stand, dass es sich um Abiturientenklassen im zweiten Jahr handelt. Hätte ich das gewusst, hätte ich es mir zweimal überlegt. Die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen mit dieser Arbeitsbelastung und den Prüfungen am 9. und 10. Mai ist sehr kompliziert“, beklagt er. Der Zeitplan bedeutet, dass die Kandidaten die Endphase des Schuljahres mit Prüfungen, Referaten und der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen bewältigen müssen, während sie gleichzeitig ihren Lehrplan, ihre Unterrichtsentwürfe und ihre Präsentationen vor der Prüfungskommission fertigstellen. „Ich werde die Auswahlprüfungen auf jeden Fall ablegen, denn sie wurden in meinem Fachgebiet seit Jahren nicht mehr angeboten, und ich kann mir diese Chance nicht entgehen lassen“, bekräftigt die Lehrerin. Diese Situation ist kein Einzelfall. Auch andere befragte Vertretungslehrer bestätigen, dass die Überschneidung der Aufgaben zu einer erheblichen Überlastung führt. „Es geht nicht nur ums Unterrichten; es geht auch ums Korrigieren, um die Teilnahme an Besprechungen, um die Betreuung der Eltern und obendrein noch ums tägliche Lernen“, erklärt eine weitere Vertretungslehrerin, die ebenfalls anonym bleiben möchte. „Wir haben das Gefühl, dass unsere berufliche Zukunft in den intensivsten Wochen des Schuljahres auf dem Spiel steht.“
Unzufriedenheit der Gewerkschaft
Die Kritik kommt nicht nur aus den Klassenzimmern. Die Gewerkschaft SIAU hat die Entscheidung, die Auswahlprüfungen vorzuziehen, scharf verurteilt. „Wir lehnen diese unfaire Behandlung der Kandidaten durch das regionale Bildungsministerium ab. Es zeigt sich einmal mehr, dass für die Vera-Regierung Lehrer, Schüler und Bildungsqualität keine Priorität haben.“ Die Gewerkschaft hinterfragt die Argumente der Regierung. „Am meisten empört uns, dass sie die Experten ignorieren und sich mit fadenscheinigen Ausreden herausreden, wie etwa der Verlegung der Prüfungen in den Mai, um Chaos bei der Platzvergabe zu vermeiden. Wir fragen uns: Welches Chaos wollen sie denn vermeiden, wenn es zu jeder Jahreszeit auftritt? Reicht es, sich die letzten wöchentlichen Platzvergaben anzusehen – die Abbrüche von Verfahren wenige Minuten vor oder nach deren Beginn, die falschen Platzierungen usw.“
Die Erklärung wirft Fragen für die kommenden Monate auf. „Was passiert diesen Sommer, wenn sich das übliche Chaos bei der Notenvergabe wiederholt? Welche Ausrede wird vorgebracht, angesichts der Tatsache, dass die Auswahlprüfungen in den Mai vorverlegt wurden und damit alle Probleme entstanden sind? Es ist höchste Zeit, dass jemand die Verantwortung übernimmt und sich den Konsequenzen stellt. Die Bildungsgemeinschaft hat genug von so viel Inkompetenz und Nachlässigkeit.“
Ungleiche Belastungen
Andererseits gibt es einen strukturellen Faktor zu berücksichtigen: Lehrkräfte über 55 Jahre haben Anspruch auf eine Reduzierung der Unterrichtsstunden, ebenso wie Fachkräfte in Managementpositionen, Koordinationsfunktionen und anderen verantwortungsvollen Bereichen. Diese gesetzlich vorgeschriebene Verteilung führt dazu, dass die Unterrichtsbelastung in manchen Fachrichtungen nicht einheitlich ist. „Es hängt alles von der Schulstruktur ab“, so Quellen aus dem Lehrberuf. Da der 9. und 10. Mai im Kalender markiert sind, blicken viele Vertretungslehrer mit dem Gefühl in die kommenden Wochen, dass die Zeit drängt. Zwischen Unterricht und Lehrplan wird es dieses Jahr weniger Möglichkeiten zum Abschalten geben als je zuvor.