Der Platz ist von Jaime

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08/11/2026 - 08:20 h

Palma„la piazza è mia! La piazza è mia!“, war der Satz, den der Verrückte vom Platz, eine der Figuren, die das Giancaldo aus Cinema Paradiso bevölkerten, immer wieder wiederholte, während das Leben seinen Lauf im Takt der Filmsequenzen nahm. Als ich den Bürgermeister von Palma, Jaime Martínez, dabei sah, wie er hochmütig verkündete, dass er das Zeltlager auf der Plaça d’Espanya geräumt habe, musste ich an den Verrückten vom Platz denken. Auch Jaime glaubt, der Platz gehöre ihm. Im Gegensatz zur Figur aus dem Film von Giuseppe Tornatore kann der Bürgermeister die Polizei einsetzen, um uns daran zu erinnern, dass der Platz ihm gehört und er entscheidet, wer sich dort aufhalten darf. Und das tut er, indem er sich über die Delegation der spanischen Regierung hinwegsetzt, die eigentlich die zuständige Behörde in dieser Angelegenheit ist.

Jaime ist durch den Raum spaziert, den zuvor die Zelte einnahmen, und hat in den sozialen Netzwerken Pädagogik betrieben, weil wir Bürger ja einfältig sind und jemanden brauchen, der uns erklärt, wie das Leben funktioniert. „Palma hat Verordnungen, die eingehalten werden müssen“, erinnerte er. „Ich habe die Pflicht, alle Rechte der Bürger zu verteidigen“, fügte er hinzu. Diesen Ausrutscher hätte nicht einmal der Verrückte vom Platz begangen. Das Recht auf Wohnraum und das Recht auf Protest stehen nicht auf der Liste der Sorgen des Bürgermeisters, der sich mehr auf das Recht auf Spekulation und Luxus konzentriert, wie es bei Provinzpolitikern oft der Fall ist.

Jaime mag es, wenn sein Platz sauber und hübsch ist. Es darf dort niemand protestieren, nicht um Almosen bitten und nicht auf dem Boden schlafen, weil er kein Zuhause hat – das ist keine Entschuldigung. Es darf dort weder hässliche Dinge noch hässliche Menschen geben. Deshalb hat er Bänke mit Armlehnen in der Mitte aufgestellt, damit die Leute sich nicht hinlegen können. Es gibt Menschen, die sind wie Abfall, sie stören und stinken, und man muss sie so schnell wie möglich entfernen. Deshalb wurden die Camper auch mit einem Lastwagen von Emaya vertrieben.

„Wir wollen eine zivile Stadt, eine Stadt, in der die Regeln respektiert werden“, sagt Jaime in seinem triumphalen Video. Mehr noch als es zu sagen, ordnet er es an. Und er setzt voraus, dass wir alle dieselbe Vorstellung von Zivilität haben wie er, eine engstirnige Sichtweise, in der Protestieren gleichbedeutend damit ist, die Regeln seines Platzes, seiner Stadt nicht zu respektieren. Jemand könnte an diesem Punkt denken, dass Jaime eigentlich ein Problem mit Menschen hat, die nicht so denken wie er. Es gibt auch Leute, die auf den Tag warten, an dem er ankündigt, dass er in die Reihen jener grünen rechtsextremen Partei gewechselt ist, die ganz klar vertritt, dass ihre Regeln ohne Hinterfragen befolgt werden müssen. Jaime weiß, dass er ein Held ist, ein Mann der Ordnung. Der Platz gehört ihm.

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