Das Geheimnis der Bildschirmzeit: Warum nutzen Eltern sie bei ihren Kindern?

Eine Studie des UIB bestätigt, dass fast die Hälfte der Familien zugibt, Bildschirme „manchmal“ oder „oft“ zur Beruhigung ihrer Kinder zu nutzen.

Eine junge Frau benutzt ihr Handy.
04/02/2026
3 min

PalmeBildschirme dienen Kindern längst nicht mehr nur gelegentlicher Unterhaltung, sondern sind zu einem alltäglichen Hilfsmittel im Haushalt geworden. Auf den Balearen geben viele Familien zu, digitale Geräte zu nutzen, um Kinder zu beruhigen, Langeweile zu vertreiben oder ihnen beim Entspannen zu helfen – sogar schon vor dem sechsten Lebensjahr. Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie. Analyse der Bildschirmzeit bei Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren Eine Studie der Universität der Balearen (UIB) im Auftrag des regionalen Bildungsministeriums basiert auf den Antworten von 8.991 Familien. 91,6 % der Familien sind der Ansicht, dass ihre Kinder übermäßig viel Zeit mit digitalen Geräten verbringen. Laut der Studie gibt fast die Hälfte der Familien zu, Bildschirme „manchmal“ oder „oft“ zur Beruhigung ihrer Kinder einzusetzen, während ein kleinerer, aber dennoch signifikanter Anteil dies regelmäßig tut. Dieses Muster ist besonders bei Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren verbreitet, da die Nutzung digitaler Geräte in dieser Altersgruppe vollständig in den Alltag integriert und nicht mehr die Ausnahme ist. Langeweile ist ein weiterer entscheidender Faktor. Der Bericht zeigt, dass Bildschirme als unmittelbare Lösung dienen, wenn Kinder nicht wissen, was sie tun sollen – eine Funktion, die sie zu einem Instrument der Kontrolle und des Zeitmanagements macht. Diese instrumentelle Nutzung, die darauf abzielt, das Zusammenleben zu erleichtern und Konflikte zu reduzieren, steht im Widerspruch zu der weit verbreiteten Annahme in Familien, dass sie Regeln und Grenzen festlegen.

Der technologische Kontext erklärt diese Realität. 96 % der Haushalte mit Kleinkindern besitzen einen Fernseher, 95 % ein Smartphone und über 62 % ein Tablet. Digitale Geräte sind somit von klein auf für Kinder zugänglich. Dieser Zugang führt zu einer weitverbreiteten Nutzung. Nur jedes vierte Kind zwischen 0 und 6 Jahren sieht überhaupt nicht fern, während fast 75 % regelmäßig fernsehen – von einer halben Stunde bis zu mehr als drei Stunden. Auch Mobiltelefone nutzen drei von zehn Kindern täglich.

Alter als Schlüsselfaktor

Die Analyse der täglichen Bildschirmzeit bestätigt das Ausmaß des Phänomens. Mehr als die Hälfte der Kinder verbringt täglich zwischen 30 Minuten und zwei Stunden vor Bildschirmen, 7,7 % sogar mehr als zwei Stunden, vorwiegend vor dem Fernseher. Bei Mobiltelefonen und Tablets sind die Zahlen zwar niedriger, aber dennoch signifikant: 7,2 % der Kinder nutzen Mobiltelefone täglich mehr als eine Stunde. Diese Daten zeigen, dass die Bildschirmzeit nicht nur gelegentlich, sondern anhaltend und regelmäßig ist, selbst in sehr jungen Jahren. Die Studie belegt einen direkten Zusammenhang zwischen Alter und Bildschirmnutzung. Mit zunehmendem Alter der Kinder steigen sowohl Häufigkeit als auch Dauer der Nutzung. Der Unterschied zwischen Ein- und Sechsjährigen ist deutlich und statistisch signifikant, insbesondere beim Fernsehen, das ab drei Jahren zu einem zentralen Medium wird. Mobiltelefone und Tablets durchlaufen eine ähnliche Entwicklung mit einem deutlichen Anstieg ab dem vierten Lebensjahr, wenn sie von einer gelegentlichen Nutzung zu einem festen Bestandteil des Alltags werden. Die Nutzung der Geräte verteilt sich über den ganzen Tag. Familien berichten, dass Bildschirme am häufigsten vor dem Abendessen, nach dem Mittagessen und, in geringerem Maße, vor dem Schlafengehen genutzt werden – einer besonders sensiblen Phase für die Ruhe und den Schlafrhythmus von Kindern. Diese weite Verbreitung bestärkt die Annahme, dass Bildschirme nicht nur eine einzige Funktion erfüllen, sondern sich vielmehr an unterschiedliche Momente und Bedürfnisse im Familienalltag anpassen. Hauptgrund für die Nutzung ist die Unterhaltung: Fast zwei von drei Kindern nutzen Bildschirme regelmäßig zur Freizeitgestaltung.

Parallel dazu hebt der Bericht die Nutzung von Bildschirmen als Ressource zur Verhaltensregulierung hervor, sowohl um Kinder zu beruhigen als auch um Situationen mit Müdigkeit oder Nervosität zu bewältigen. Diese Funktion, die von einem erheblichen Teil der Familien offen anerkannt wird, zeigt, in welchem ​​Maße Geräte als grundlegendes Erziehungsinstrument integriert sind. Die Studie deckt jedoch auch eine gewisse Unordnung im Umgang mit diesen Geräten auf. So geben 22 % der Familien an, dass ihr Kind nicht um Erlaubnis fragt, bevor es Bildschirme benutzt, während 30 % angeben, sie als Belohnung einzusetzen. 50 % der Kinder unterliegen zeitlichen Beschränkungen. Die festgelegten Regeln sind unterschiedlich. 42,9 % geben an, die Bildschirmzeit auf bestimmte Tage zu beschränken, eine Maßnahme, die 36,8 % der Familien überhaupt nicht anwenden. 65,6 % schränken die Inhalte ein, auf die ihre Kinder zugreifen können, während 24,2 % dies nicht tun. Die Bildungslücke

Ein weiteres relevantes Ergebnis ist der Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und der Bildschirmzeit. Kinder aus Familien mit niedrigerem Bildungsniveau nutzen Fernsehen und Tablets intensiver, während in Familien mit akademisch gebildeten Eltern der Gesamtkonsum geringer ist, die Handynutzung jedoch höher. Diese Familien berichten auch von mehr Regeln und Kontrollen, sowohl für Inhalte als auch für den Zugriff, was auf einen anderen Ansatz hindeutet, aber nicht unbedingt auf eine signifikante Reduzierung der gesamten Bildschirmzeit. 87,5 % der Familien geben an, Regeln für die Bildschirmnutzung festzulegen, und mehr als die Hälfte nutzt Kindersicherungssysteme. Die Kombination aus hoher Gerätepräsenz, beträchtlicher Nutzungsdauer und deren Einsatz zur Beruhigung oder Beschäftigung von Kindern offenbart jedoch eine klare Realität: Bildschirme sind im frühen Kindesalter völlig normalisiert. Bildschirmzeit bei Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren ist kein Randthema, sondern ein Phänomen mit pädagogischen, sozialen und familiären Auswirkungen, das Schulungen und Unterstützung für Familien zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft macht.

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