Die Krise um Flugbenzin in Kuba trifft den Tourismus hart und versetzt Unternehmen mit Muttergesellschaften auf den Balearen in Alarmbereitschaft.
Air Europa und Iberia passen ihre Abläufe an, während Ketten wie Melià und Iberostar ihre Aktivitäten angesichts einer Situation reduzieren, die den Niedergang des kubanischen Tourismussektors verschärft.
PalmeDer Mangel an Flugbenzin in Kuba hat eine neue Krise ausgelöst, die den internationalen Tourismussektor und insbesondere spanische Unternehmen mit bedeutender Präsenz auf der Insel schwer trifft. Die kubanische Regierung hat die Fluggesellschaften gewarnt, dass sie die Kerosinversorgung an den Flughäfen des Landes für Wochen nicht garantieren kann. Diese Situation hat eine Umstrukturierung des Flugbetriebs und beschleunigte Anpassungen im Hotelsektor erzwungen. Die Krise ist Teil einer schweren Energiekrise, die das Land plagt. Schwierigkeiten beim Import von Öl und Ölderivaten beeinträchtigen nicht nur den Luftverkehr, sondern auch die Stromversorgung und die Wirtschaft im Allgemeinen. Der Tourismus, Kubas wichtigste Devisenquelle, befindet sich erneut in einer äußerst prekären Lage.
Air Europa und Iberia: Flugbetrieb angepasst
Im Luftverkehrssektor hat Air Europa beschlossen, die Verbindungen zwischen Madrid und Havanna aufrechtzuerhalten, allerdings mit erheblichen Änderungen. Die Flugzeuge müssen technische Zwischenlandungen in Drittländern wie der Dominikanischen Republik einlegen, um vor dem Rückflug aufzutanken. Diese Maßnahme vermeidet zwar unmittelbare Flugausfälle, erhöht aber die Betriebskosten, verlängert die Flugzeiten und sorgt für Verunsicherung bei den Passagieren. Iberia hat ihrerseits flexible Richtlinien für Kunden mit Tickets nach Kuba aktiviert, die Umbuchungen oder Rückerstattungen ohne Gebühren ermöglichen. Das Unternehmen beobachtet die Situation und schließt weitere Anpassungen nicht aus, sollte die Treibstoffknappheit anhalten. Obwohl noch keine vollständigen Flugstreichungen angekündigt wurden, erfordert die Lage ein ständiges und proaktives operatives Management. Den deutlichsten Präzedenzfall schufen US-amerikanische und kanadische Fluggesellschaften, die ihre Verbindungen zur Insel sogar komplett einstellten und damit den Zustrom internationaler Besucher weiter reduzierten.
Melià und Iberostar: vorübergehende Schließungen und „Kompaktierung“
Die Auswirkungen sind im Hotelsektor noch deutlicher zu spüren, wo große spanische Hotelketten seit Langem strategisch stark vertreten sind. Meliá Hotels International, eines der größten Unternehmen in Kuba mit über dreißig Häusern, hat die vorübergehende Schließung von drei Hotels und die Umstrukturierung seines Angebots bestätigt, um die Gäste auf weniger Häuser zu konzentrieren. Diese Konsolidierung ist eine Reaktion auf den Nachfragerückgang und die eingeschränkte Energieversorgung. Auch Iberostar, mit rund zwanzig Hotels auf der Insel, hat seine Aktivitäten angepasst. Obwohl das Unternehmen die Anzahl der betroffenen Häuser nicht öffentlich bekannt gegeben hat, hat es seine Kapazitäten und Dienstleistungen aufgrund des Rückgangs der internationalen Ankünfte angepasst. Die Reduzierung der Flüge, insbesondere aus Kanada – einem der wichtigsten Herkunftsmärkte für Touristen in Kuba – hat sich direkt auf die Auslastung ausgewirkt.
Barceló, Rio und Katalonien: indirekte, aber unvermeidliche Auswirkungen
Andere Hotelketten mit Niederlassungen in Kuba, wie Barceló, Riu Hotels und Catalonia Hotels, haben keine spezifischen Schließungen im Zusammenhang mit der Treibstoffkrise angekündigt. Die allgemeine Verschlechterung des kubanischen Tourismusmarktes und die Unsicherheit bezüglich der Flugverbindungen wirken sich jedoch unweigerlich auf ihren Betrieb aus.
Die Abhängigkeit vom Flugverkehr ist in einem Inselreiseziel wie Kuba absolut, und jede Unterbrechung der Treibstoffversorgung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Besucherzahlen, die Planung von Reiseveranstaltern und die Rentabilität der Hotels.
Ein Sektor am Rande des Abgrunds
Die aktuelle Krise trifft den kubanischen Tourismus in einer besonders heiklen Phase, da er sich noch nicht von den Folgen der Pandemie erholt hat. Wirtschaftliche Instabilität, logistische Schwierigkeiten und die Konkurrenz anderer karibischer Reiseziele hatten den Sektor bereits geschwächt. Nun verschärft der Mangel an Flugbenzin die Situation, die einige Analysten als „kritischen Wendepunkt“ bezeichnen. Für spanische Unternehmen bleibt Kuba aufgrund seines Investitionsvolumens und seiner traditionellen Bedeutung ein strategischer Markt. Die Notwendigkeit ständiger Anpassung, die gestiegenen Betriebskosten und die Unsicherheit über die Dauer der Krise stellen jedoch kurzfristig ein komplexes Szenario dar. Sollte sich die Lage nicht rasch verbessern, drohen dem kubanischen Tourismussektor weitere Umsatz- und Beschäftigungsrückgänge mit Folgen nicht nur für die Wirtschaft der Insel, sondern auch für die großen spanischen Unternehmen, die dort seit Jahrzehnten tätig sind.