Eine Frau auf der Buchmesse in Palma
22/02/2026
2 min

PalmeManchmal habe ich das unglaubliche Glück, von den Werken anderer zutiefst berührt zu werden. Es ist ein sehr intensives Erlebnis für mich. Als ich das erste Mal hörte, Sarabande Während Händel spielte, durchströmte mich ein wohliges Gefühl von körperlicher Lust, das von meinen Beinen bis in die Magengrube reichte. Meine Knie gaben nach, und ich musste tief durchatmen, weil ich dachte, ich würde ohnmächtig werden. Ich erinnere mich noch genau. Ich muss ungefähr 15 Jahre alt gewesen sein und sah zu … Barry Lyndonvon Stanley Kubrick. Der Film hat mich fasziniert, und die Musik hat mich zutiefst berührt.

Mir ging es genauso mit Die Legende des ozeanischen Pianisten, von Giuseppe Tornatore; Cäsar muss sterbenvon den Brüdern Taviani; Novecentovon Bernardo Bertolucci; und Die große Schönheitvon Paolo Sorrentino. Nach dem Ansehen dieser Filme saß ich wie gelähmt auf meinem Stuhl und dachte, mein Kopf würde explodieren, denn was ich gesehen hatte, war zu viel für jeden: zu intensiv, zu poetisch, zu brutal – ja, zufälligerweise sind sie alle italienisch.

Tod des Esels, von Edvard Grieg; Tschaikowskys Violinkonzert; dasSprichwort von Samuel Barber; Palladium, von Karl Jenkins; Pasacaglia...von Händel... Schon der Gedanke an diese Werke raubt mir den Atem, und wenn ich sie spüre, muss ich die Augen schließen, damit meine Gedanken in mystische Höhen aufsteigen können.

Ich erinnere mich auch noch genau an das erste Mal, als ich sie las. Krieg und Frieden, von Leo Tolstoi – danke für den Tipp, Professor Bujosa. Ich war 17 und hatte es gekauft, um eine Busfahrt von Sevilla nach Cádiz erträglicher zu machen. Die Reise wurde dadurch nicht leichter, sie veränderte mein Leben, es war eine Offenbarung. Diese Person sprach zu mir auf eine Weise, die ich nicht verstand, sondern instinktiv in mir spürte.

Swetlana Alexijewitsch, Philip Roth, Natalia Ginzburg, Ingmar Bergman, David Sedaris... Bei ihnen habe ich so intensiv gefühlt, dass ich sogar vergessen habe, wo ich war, als ich eines ihrer Bücher in den Händen hielt. Ich verstehe, dass Sie das vielleicht für verrückt halten, aber so geht es mir eben, wie ein plötzlicher Impuls.

Genau das ist mir heute mit Jelena Kostiuchenko passiert (Mein geliebtes Land. Chroniken eines verlorenen Landes(Die zweite Peripherie). Ich war im Zug, als ich das Buch aufschlug, und nach ein paar Seiten musste ich es zuklappen, weil mich die Gefühle überwältigten. Ich schaute aus dem Fenster, vorbei an Bäumen in allen Grüntönen. Atemberaubend.

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