22/03/2026
2 min

Der Ausstieg aus den sozialen Medien fiel mir überhaupt nicht schwer, denn sie langweilen mich zu Tode. Ich kam mir lächerlich vor, wahllos Nachrichten über alles Mögliche zu posten, egal wie trivial. Kontroversen waren mir unangenehm, weil ich die Reaktionen anderer oft gar nicht deuten konnte – egal ob aggressiv, herablassend oder einfach nur normal.

Die Neuigkeiten anderer Leute interessieren mich überhaupt nicht: ihre Reisen, ihre Füße im Sand, das Essen in einem Sterne-Restaurant… All das ließ mich in den sozialen Medien kalt. Wenn ich hingegen mit jemandem persönlich spreche, freue ich mich über gute Nachrichten und leide unter schlechten. Ich schaue den Leuten gern in die Augen, umarme sie, lache, hake mich bei ihnen ein, wenn ich zu laut lache… Dinge, die ich online, auf Instagram oder sonstwo in der virtuellen Welt nicht tun kann.

Was die Geschwindigkeit angeht, mit der ich Informationen erhalte, ist es mir mittlerweile völlig egal. Ich bin viel mehr daran interessiert, gut informiert zu sein, Abonnements für Medien zu haben, die mich zum Nachdenken anregen, und das Weltgeschehen sorgfältig zu analysieren.

Es heißt oft, einer der Vorteile sozialer Medien sei die Möglichkeit, mit Menschen aus der Vergangenheit in Kontakt zu treten, von denen man lange nichts mehr gehört hat. Das stimmt schon. Aber ich bin nicht bereit, dafür so viel Zeit vor dem Bildschirm zu opfern. Ehrlich gesagt gehe ich lieber mit den Hunden spazieren und lasse sie ein bisschen soziale Interaktion haben, als Zeit im Hundeauslaufgebiet zu verbringen.

Manche Leute bombardieren mich mit Fragen, sobald sie erfahren, dass ich keine sozialen Medien nutze. Es ist, als würden sie mich unter Druck setzen. Dasselbe passiert, wenn ich sage, dass ich keinen Alkohol trinke. Daraus lässt sich leicht schließen, dass Menschen mit bestimmten Lastern ein Problem haben, wenn andere keines haben. Ich frage niemanden, warum er soziale Medien nutzt, einfach weil es mich überhaupt nicht interessiert. Manchmal ist es aber schwierig, in Gleichgültigkeit Gegenseitigkeit zu finden. Andere in Ruhe zu lassen, ist keine Garantie dafür, dass sie einen selbst auch in Ruhe lassen.

Deshalb ist es ein guter Ausweg, unangenehm zu sein und mir den Ruf einer leidgeprüften Frau zu erwerben, den ich mit Stolz trage. Von anderen so wahrgenommen zu werden, ist einer der wirksamsten Schutzmechanismen, die man haben kann. Außerdem weiß ich tief im Inneren, dass wir charmant sind und es nicht nötig haben, dass es jemand bemerkt.

stats