Empörung der Ärzte über die Versicherer: „Sehr schlechte“ Tarife und ein nicht tragfähiges „Billigkostenmodell“

Eine Umfrage unter 236 Fachleuten ergab, dass 90 % der Meinung sind, dass Versicherungsunternehmen die Qualität der Versorgung nicht fördern, was sich negativ auf die Patienten und das öffentliche Gesundheitssystem auswirkt.

Medizinisches Personal, das an einem chirurgischen Eingriff beteiligt ist.
11/02/2026
3 min

PalmeDas Ärztekollegium der Balearen (COMIB) hat eine Studie zum Zustand des privaten Gesundheitswesens auf den Balearen veröffentlicht, die eine anhaltende Unzufriedenheit unter den Fachkräften des Sektors offenbart. Laut dem Präsidenten der Organisation, Carles Recasens, entstand die Initiative aus Beschwerden, die privat tätige Ärzte seit Langem über die Bedingungen und die Behandlung durch die Krankenkassen äußern. Auf den Balearen arbeiten rund 3.000 Ärzte im privaten Gesundheitswesen, was fast 50 % der Ärzteschaft entspricht. An der vom COMIB durchgeführten Umfrage nahmen 236 Mitglieder teil. Davon praktizieren nur 9 ausschließlich im öffentlichen Gesundheitssystem; 111 bieten eine gemischte Versorgung – öffentlich und privat – an, und 111 arbeiten ausschließlich im privaten Sektor. Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: 123 der Befragten halten das private Gesundheitssystem unter den gegenwärtigen Bedingungen für nicht tragfähig. 90 % geben an, dass die Krankenkassen die Behandlungsqualität nicht fördern; 87 % bewerten die angewandten Tarife als schlecht oder sehr schlecht. 85 % verurteilen die negativen Auswirkungen des Modells. niedrige Kosten77,9 % gaben an, mit der Situation unzufrieden oder sehr unzufrieden zu sein. Keiner der Teilnehmer bewertete die Beziehung zwischen Arzt und Krankenkasse als ausreichend.

Laut Recasens rührt die Unzufriedenheit vor allem vom Verlust an Unabhängigkeit und beruflicher Autonomie sowie von einer Vergütung her, die viele Ärzte als „unwürdig und dürftig“ empfinden. Die Gebühren für eine Konsultation können je nach Einrichtung und Behandlung zwischen 8 und 14 Euro liegen. „Man zahlt mehr für Fernsehsender“, verglich der Präsident des COMIB (Offizielles Ärztekollegium der Balearen), um die seiner Ansicht nach bestehende Abwertung des ärztlichen Berufsstandes zu verdeutlichen.

Vom freien Beruf zum abhängigen Modell

Das Ärztekollegium argumentiert, dass sich der Arztberuf, traditionell ein freier Beruf – ähnlich dem der Anwälte –, zu einer Tätigkeit entwickelt hat, die von großen Krankenhauskonzernen und Versicherungen abhängig ist. Während Ärzte früher selbst entscheiden konnten, mit welchen Einrichtungen sie zusammenarbeiten, diktiert heute laut Recasens „die Versicherung die Gebührenordnung, die Behandlungsmethoden und die benötigte Ausrüstung“. Das Vergütungssystem basiert auf der Abrechnung pro Behandlung: Der Arzt rechnet mit der Versicherung ab, allerdings derzeit über Krankenhauskonzerne, während die Beziehung früher direkt war. Laut COMIB (Offizielles Ärztekollegium der Balearen) hat diese Veränderung die Verhandlungsmacht des Einzelnen geschwächt und ein Modell gefestigt, in dem die Bedingungen von großen Konzernen diktiert werden. Zudem ist der Patient an das von der Versicherung vorgegebene Ärztenetzwerk gebunden, was seine tatsächliche Wahlfreiheit einschränkt und die zentrale Rolle dieser Einrichtungen im Gesundheitswesen stärkt. Bezüglich der Bewertung der Versicherungsunternehmen genießt Sanitas unter den Befragten das höchste Ansehen, gefolgt von Axa mit deutlichem Abstand. Andererseits hat Asisa mit Abstand die schlechteste Bewertung, gefolgt von Adeslas.

Einer der zentralen Kritikpunkte ist die Ausweitung der Politik. niedrige KostenMit niedrigen Preisen, die laut Ärztekammer nicht die tatsächlichen Kosten einer qualitativ hochwertigen Versorgung widerspiegeln, sehen 85 % der befragten Ärzte dieses Modell als negativ an. Recasens warnte, dass viele dieser Tarife nur eine Grundversorgung bieten und Erwartungen wecken können, die später nicht der Realität der Behandlung entsprechen. „Was Menschen in Anspruch nehmen, hat direkten Einfluss auf ihre Gesundheit“, betonte er. Die Studie zeigt außerdem, dass sich Wartelisten, die jahrelang hauptsächlich mit dem öffentlichen Gesundheitswesen verbunden waren, auf den privaten Sektor ausgeweitet haben. Fachrichtungen wie Gastroenterologie und Gynäkologie verzeichnen Verzögerungen, und es kommt immer häufiger vor, dass Versicherte auf einen Facharzttermin warten müssen. Laut COMIB (Offizielle Ärztekammer der Balearen) verdeutlicht dies eine strukturelle Belastung, die nicht nur eine bestimmte Einrichtung betrifft, sondern den gesamten Sektor. Die Ärztekammer identifiziert mehrere Risiken, die sich aus der aktuellen Situation ergeben. Erstens: ein erhöhter Druck auf das öffentliche Gesundheitssystem, falls der private Sektor seine Kapazitäten zur Behandlung von Fällen verliert. Zweitens weist die Konfiguration auf einen niedrig auflösenden privaten Sektor hin, der die komplexesten Fälle an den IB-Salut (Gesundheitsdienst der Balearen) überweist. Zudem wird vor Schwierigkeiten bei der Bindung von medizinischem Fachpersonal auf den Balearen gewarnt, sollten sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen nicht verbessern. Darüber hinaus warnt das COMIB (Amtliche Ärztekammer der Balearen) vor potenziellen Risiken für die Patientensicherheit, falls die Konsultationszeiten unzureichend sind oder die Organisation der Versorgung übermäßig von wirtschaftlichen Kriterien bestimmt wird.

Koexistenz von Modellen

Recasens argumentierte, dass private und öffentliche Gesundheitsversorgung nebeneinander bestehen und dass „eine gute private Gesundheitsversorgung die öffentliche Gesundheitsversorgung unterstützt und umgekehrt“. Obwohl sie in bestimmten Bereichen konkurrieren, „ergänzen sich beide Systeme“, betonte er. In diesem Zusammenhang warnte er, dass strukturelle Probleme im privaten Sektor das ohnehin schon überlastete öffentliche Gesundheitssystem zusätzlich belasten würden. Vor diesem Hintergrund fordert das COMIB (Offizielle Ärztekollegium der Balearen) eine jährliche Aktualisierung der Gebührenordnungen, die an den Verbraucherpreisindex (VPI) und die Komplexität der Behandlung gekoppelt ist, sowie einen Bürokratieabbau und eine Vereinfachung der klinischen Genehmigungsverfahren. Das Kollegium ist bestrebt, Verhandlungen mit Versicherungsunternehmen und großen Klinikgruppen aufzunehmen, um diese Probleme anzugehen. „Das Kollegium vertritt alle Ärzte, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor“, betonte Recasens und fügte hinzu, dass es sich bei den Verhandlungen nicht nur um eine arbeitsrechtliche Frage handle, sondern vielmehr „das Fundament für die Zukunft des Gesundheitswesens lege“. Die Schlussfolgerung lautete, dass die Organisation die Pflicht hat, die Interessen der Angehörigen der Gesundheitsberufe, aber auch die der Patienten und die allgemeine Nachhaltigkeit des balearischen Gesundheitssystems zu verteidigen.

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