Verbot
Die Idee, den Zugang zu sozialen Netzwerken auf Personen über sechzehn Jahren zu beschränken, wie es in unserem Land diskutiert wird oder in anderen Ländern der Region bereits gesetzlich verankert ist, wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, warum diese Tools als so schädlich angesehen werden, oder ob man nicht eher deren Inhalte als deren Nutzer regulieren sollte.
Junge Menschen, denen der Zugang zu diesen Netzwerken aufgrund familiärer Verbote derzeit verwehrt bleibt, finden allerlei Wege, über andere Plattformen oder zukünftige Formate miteinander zu kommunizieren. Das Problem liegt jedoch nicht in der Kommunikation an sich oder darin, dass junge Menschen viel Zeit mit Chatten verbringen – was an sich harmlos und nicht gefährlicher ist als ein Gespräch auf der Straße. Soziale Netzwerke erzeugen eine Abhängigkeit, die von ihren Entwicklern bewusst gefördert wird, indem sie analysieren, wie Nutzer Inhalte konsumieren und ihnen mehr von dem bieten, was sie interessiert. Zudem fördern sie eine Abhängigkeit von Reaktionen (die durch Likes und Rebounds befriedigt werden). Gefällt mir) alles, was der Benutzer selbst hochlädt.
Vor allem erzeugen sie eine Sucht nach sich selbst und fördern die Vertiefung der eigenen Ideen, die derzeit meist zu den schlechtesten auf dem intellektuellen Markt gehören. Progressive wollen all das verbieten, weil sich herausstellt, dass die Social-Media-Süchtigsten nicht unbedingt Linke sind, oder wenn doch, dann gehören sie zu jener radikalen, identitätsbasierten Linken, die sich letztlich als ineffektiver als der Faschismus erweist. Würden soziale Medien uns alle zu aufgeklärten Progressiven machen, wären es die Konservativen, die sie verbieten wollen. Doch der Konservatismus erhebt keine Einwände, vielleicht weil er sie als Privatunternehmen betrachtet oder weil es die freie Wahl der Menschen ist, die letztendlich zu Abhängigkeit führt.
Die Idee eines europäischen öffentlichen sozialen Netzwerks, die von der EU als Gegengewicht zu Musk vorangetrieben wird, ist grundlegend naiv und verfehlt: Es ist, als würde man versuchen, Kokain mit Büchern oder Obst der Saison zu bekämpfen. Ein reguliertes, öffentliches soziales Netzwerk ist kein soziales Netzwerk, sondern ein Schwarzes Brett. Es mag zwar bereichernd und lehrreich sein, aber genau deshalb wird es langweilig und ein Fehlschlag – reine Geldverschwendung. Außerdem sind wir alle alt genug, um es besser zu wissen: Verbietet man eine bestimmte Art von Alkohol oder Droge, entsteht eine andere. Verbote führen zu Schmuggel.