Ibiza wird im April mit der Lieferung von Gülle nach Mallorca beginnen.
Das Pilotprojekt sieht vor, rund 30.000 Tonnen Abfall zur Müllverbrennungsanlage Son Reus zu transportieren, um die Lebensdauer der Deponie Ca na Putxa zu verlängern. Dies stieß jedoch auf Kritik von Umweltschützern.
PalmeIm April nächsten Jahres soll endlich das Pilotprojekt zur Abfallverlagerung von Ibiza zur Müllverbrennungsanlage Son Reus in Palma starten. Vorausgegangen waren monatelange politische und juristische Debatten über die Bewältigung der Güllekrise auf den Pitiusen-Inseln. Der Rat von Ibiza gab am Freitag bekannt, dass das Pilotprojekt 10 Millionen Euro kosten und die Verlagerung von rund 30.000 Tonnen Abfall umfassen wird. Die fünf Gemeinden der Insel haben ihrerseits Notfallpläne zur Reduzierung des Gülleaufkommens fertiggestellt. Ziel ist es, die Nutzungsdauer der Deponie Ca na Putxa in Santa Eulària zu verlängern, die ihre Kapazitätsgrenze fast erreicht hatte und zum zentralen Streitpunkt in der Abfalldebatte der Pitiusen-Inseln geworden war. Dieses Pilotprojekt ist das Ergebnis eines komplexen und kontroversen politischen und juristischen Prozesses. Die Regierung der Balearen musste dem Plan bis Ende 2025 zustimmen. Dekretgesetz Dieses Dekret schafft die rechtliche Grundlage für den Gülletransport zwischen den Inseln, nachdem ein vorheriges Dekret, das den Transport in die sogenannten strategischen Interessenprogramme einbeziehen sollte, vom Parlament abgelehnt worden war. Zudem stellt das Dekret 50 Millionen Euro der Balearenregierung zur Verfügung, um den Consell de Mallorca für die Entsorgung der dort angelieferten Abfälle zu entschädigen. Wie die Inselbehörde mitteilte, erlaubt das Dekret dem Consell außerdem, seine Abfallentsorgungsgebühr bis 2026 um bis zu 10 % zu senken.
Die Initiative war jedoch auch von Kontroversen und Vorbehalten geprägt. Zahlreiche Probleme sind aufgetreten. Kritik von Umweltorganisationen Wie die GOB (Balearische Ornithologische Gruppe), die sämtliche Dokumente zum Transport verlangte, da sie den potenziell massiven Import von Abfällen zur Verbrennung in Son Reus als „ernsthafte Bedrohung für Umwelt und Bevölkerung“ einstufte, argumentiert auch die GOB, dass der Transport von Gülle von einer Insel zur anderen zur Verbrennung gegen die EU-Abfallhierarchie (die Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling priorisiert) verstößt und Mallorca bereits unter den Umweltauswirkungen seiner eigenen Anlage und der daraus resultierenden Aschedeponie leidet. Bevor der Rechtsrahmen geschaffen wurde, warnte der Consell d’Eivissa (Inselrat von Ibiza), dass die einzige kurzfristige Lösung zur Verwertung der Abfälle der Pitiusen-Inseln der Export von Gülle nach Mallorca sei, da die Deponie Ca na Putxa ihre Kapazitätsgrenze erreiche und es keine unmittelbaren Alternativen für die interne Behandlung gebe. Dieses rechtliche Hindernis verzögerte den Start des Pilotprojekts, das ursprünglich für Oktober 2025 geplant war, nun aber im Rahmen der neuen Rechtsvorschriften wieder aufgenommen werden soll. Die Kontroverse hat weitere Spannungen im Bereich der Abfallwirtschaft offengelegt, da es Ibiza an einem adäquaten Inselentwicklungsplan mangelt – ein Punkt, den die Partei GEN-GOB wiederholt beklagt hat. Ihr Sprecher, Juan Carlos Palermo, betont: „Diese Lösungen können nicht improvisiert werden, ohne das eigentliche Problem anzugehen: die Abfallwirtschaft auf Ibiza.“
All dies rückt den Betrieb in den Mittelpunkt einer breiten Debatte darüber, ob die Verlagerung ein Managementmodell fördert, das der Verbrennung und dem Transport von Abfällen auf dem See- und Landweg Priorität einräumt, oder ob stattdessen der Fokus auf einer tiefergehenden Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaftspolitiken liegen sollte, die eine Abhängigkeit von den Kapazitäten eines anderen Territoriums vermeiden.