Ein neuer Moment für die Souveränität
Auch aus der Region Valencia gibt es gute Nachrichten. Vor wenigen Tagen wurde eine interne Umfrage von Compromís veröffentlicht, die einen Trend bestätigt, der sich bereits in anderen staatenlosen Ländern der Iberischen Halbinsel abzeichnet: Unabhängigkeitsparteien könnten eine Alternative zu den Regierungen von PP und Vox darstellen. Dass die Umfrage ein Vierer-Gleichstand zwischen Compromís (25-26 Sitze), Vox (25-26), der PSPV (24-25) und der PP (24-25) zeigt, spiegelt zweifellos eine bedeutende politische Verschiebung wider. Zum einen reagiert die valencianische Gesellschaft auf Mazóns desaströsen Umgang mit den heftigen Regenfällen. Zum anderen fehlt es der PSPV an Führung, die zu sehr damit beschäftigt ist, „weitere Erfolge Spaniens“ innerhalb der Ministerien zu verhindern. Kann diese Konstellation uns helfen, eine neue Perspektive für die Balearen zu erkennen?
Abgesehen von den Nachwirkungen des Referendums in Asturien können uns das Baskenland und Galicien noch weitere Hinweise liefern. Bei den letzten baskischen Wahlen erreichte die Bildu-Partei ein historisches Patt mit der PNV, beide mit jeweils 27 Sitzen. Bei den darauffolgenden Wahlen sicherte sich die BNG mit 25 Sitzen, fast dreimal so vielen wie die PSG (9), die Position der stärksten Oppositionspartei gegen die absolute Mehrheit der PP (40 Sitze). Beide Wahlkämpfe hatten eines gemeinsam: die direkte und unmissverständliche Betonung des Nationalbewusstseins. Ein komplexer, kompromissloser Ansatz, der sich mittel- und langfristig jedoch als wirksam erweisen könnte. In Zeiten der Unsicherheit und der Rückkehr des Imperialismus kann es sich auszahlen, klar und selbstbewusst aufzutreten.
Und auf den Balearen? Gibt es dort eine klare Alternative zur PP-Regierung, ein inspirierendes Projekt, das die grundlegenden, alltäglichen Sorgen der Bürgerinnen und Bürger angeht (Wohnen, Sprache, Nachhaltigkeit, eine radikale Veränderung des Tourismusmodells…)? Die Antwort lautet wohl: Jein. MÁS leistet im Parlament mehr als lobenswerte Arbeit, doch ihre Botschaft scheint die breite Öffentlichkeit nur schwer zu erreichen, und im Gegensatz zu Compromís ist die Partei entschlossen, unter dem Dach von Sumar weiterzumachen. Die Coalición Por Mallorca will das egozentrische Mitte-Rechts-Lager erneut beleben, doch sie tut dies mit einer Rhetorik, die manche als fremdenfeindlich bezeichnen und zu deren Übernahme die PP auf die eine oder andere Weise gedrängt wird. Unterdessen steckt die PSIB, ein stillschweigender Komplize aller separatistischen Strömungen, weiterhin in ihrer Führungskrise fest: Francina Armengols Position ist unbesetzt, und Iago Negueruela wirkt zumindest ratlos. Im zivilgesellschaftlichen Bereich gibt das Mitgliederwachstum der Obra Cultural Balear Anlass zu Optimismus, sollte die Organisation aber auch dazu veranlassen, darüber nachzudenken, was sie nun mit dieser Stärke anfangen soll. Die Asamblea Soberanista hat weiterhin ernsthafte Probleme, Einfluss auf den neuen öffentlichen Diskurs zu nehmen, und das nicht immer mit den am einfachsten verfügbaren Kommunikationsmitteln.
In der Region Valencia, in Galicien und im Baskenland scheint die Antwort klar: Ein offener, ehrlicher und selbstbezogener Diskurs kann dazu beitragen, gesellschaftliche Mehrheiten als Alternative zu den Regierungen der PP und von Vox zu schaffen. Und hier? Werden wir davon profitieren können?