Es lebe der Kaiser!
Die Auswahl von Fragmenten aus den „Memoiren des Hadrian“ ist in Zeiten dieser uns umgebenden allgemeinen Wut sehr passend, vielleicht sogar notwendiger denn je.
Animula, Vagula, Blandula/ Hospes Comesque Corporeal/Quae nunc abibis in loca/Blass, starr, Knötchen,Neco, ut solas, dabis yocos… So beginnt das von Kaiser Hadrian verfasste Trauergedicht, das Marguerite Yourcenar zu ihrem Werk inspirierte. Erinnerungen, Als hypothetischer Abschiedsbrief an seinen jungen Nachfolger Marc Aureli verfasste er ein Stück, das damals als unverzichtbare und zugleich entzückende Lektüre galt. Jahre später brachte kein Geringerer als Maurizio Scaparro es in einer Bearbeitung von Jean Launay mit Giorgio Albertazzi in der Hauptrolle auf die Bühne, die wir im Teatro Albéniz in Madrid sahen. Der Regisseur selbst inszenierte es später erneut in spanischer Sprache mit José Sancho in der Hauptrolle und tourte mit ihm durch weite Teile der Iberischen Halbinsel.
Lluís Homar, unter der Regie von Beatriz Jaén und mit Brenda Escobedo als seiner Partnerin, erweckt den in Sevilla geborenen römischen Kaiser kurz vor seinem Tod zum Leben. Dieser anderthalbstündige Monolog ist ein wahrer Marathon, in dem der Schauspieler einmal mehr sein ganzes Können, seine Technik und sein Talent unter Beweis stellt. Neben dieser erhabenen Darbietung ist die Auswahl der Textauszüge – obwohl auch andere Passagen aus Yourcenars Text hätten verwendet werden können – besonders treffend, vielleicht gerade in Zeiten der allgegenwärtigen Wut, die uns umgibt, notwendiger denn je. Beatriz Jaén hat fünf Tänzerinnen und Tänzer engagiert, die den Protagonisten begleiten und der Inszenierung Dynamik verleihen. Diese Tänzerinnen und Tänzer verkörpern mal sein Gefolge, mal ein Fernsehteam, das die kaiserliche Botschaft aufzeichnet. Ein Brief, in dem er seinen Lebensweg nachzeichnet: von dem Weg zur Macht – nicht ohne Opfer zu hinterlassen, eine Reise voller Licht und Schatten – bis zu seinen letzten Tagen, in denen er aus Angst vor Vergiftung allen um sich herum misstraut. Natürlich wird auch seine Beziehung zu Antinous, dargestellt vom Tänzer Álvaro Nahuel, thematisiert. Ein Moment von immenser Kraft und Subtilität.
Das Teatro Principal in Ciudad und das Manacor Auditorium waren restlos ausverkauft, und der Abschied war, wie es sich gehört, wahrlich unvergesslich – ein Abschied, den man nicht vergessen wird. Lang lebe Kaiser Homar!