Bühnenkunst

Die Wahrheit gegen die Macht: Ibsen kehrt mit voller Kraft ins Principal von Palma zurück

Die freie Version von 'Der Feind' unter der Regie von José Martret ist im Teatre Principal in Palma zu sehen. Sie aktualisiert dieses Stück nicht nur, sondern projiziert es mit beunruhigender Kraft auf die Gegenwart.

27/03/2026

PalmaEs gibt Texte, die nicht altern, weil sie uns in Wirklichkeit nie aufgehört haben, anzusprechen, und die die Zeit überdauern, weil sie auf das hinweisen, was die Gesellschaften lieber nicht sehen wollen. Ein Volksfeind, von Henrik Ibsen, ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Die freie Bearbeitung von José Martret, uraufgeführt im Teatre Principal de Palma, aktualisiert dieses Stück nicht nur, sondern projiziert es mit beunruhigender Kraft auf die Gegenwart und bestätigt seine Aktualität mit einer Eindringlichkeit, die uns direkt anspricht.

Martret versteht, dass Ibsens zentraler Konflikt nicht nur moralischer, sondern zutiefst politischer Natur ist: Was passiert, wenn die Wahrheit mit wirtschaftlichen Interessen, sozialem Komfort oder dem vorherrschenden Narrativ kollidiert? Die Antwort ist gestern wie heute dieselbe: Der Dissident wird zum Feind. Die Geschichte von Dr. Stockmann, dem Mann, der es wagt, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen, und von ebenjener Gemeinschaft, die er zu schützen suchte, angeprangert wird, hallt heute mit beinahe schmerzlicher Klarheit nach. Martrets Vorschlag ist aufgrund seiner Extrapolationsfähigkeit relevant; in Zeiten von Desinformation und der Diskreditierung kritischen Denkens zwingt uns Ein Volksfeind

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dazu, uns im Spiegel zu betrachten. Wer entscheidet, was Wahrheit ist? Welchen Preis hat es, sie zu verteidigen? Und vor allem, wie viele sind wir bereit zu zahlen?

Datenblatt von 'L'Enemic' am Teatre Principal

SpielpläneDonnerstag, 26. März20:00 UhrFreitag, 27. März20:00 UhrSamstag, 28. März18:00 Uhr

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Diese Version bietet keine bequemen Antworten, aber ein noch wertvolleres Element: Sie rührt Gewissen auf, erzeugt Unruhe; und gerade das macht das Theater zu einem notwendigen Raum. Die Inszenierung setzt auf Zurückhaltung und anhaltende Spannung. Ohne unnötige Effekte wird der Text, scharf und prägnant, zum wahren Motor der Vorstellung. Die Darsteller tragen mit Souveränität einen Diskurs, der an Intensität gewinnt und Momente großer dramatischer Kraft erreicht.

Die Bühnenbildgestaltung löst auf einfache Weise drei Schlüsselbereiche: das Haus des Doktors, das Büro des Direktors von La veu del poble und der Versammlungsraum, ohne dass Änderungen erforderlich sind. Diese scheinbare Einfachheit verstärkt das Gewicht des Wortes und des Konflikts, der sich ohne Ablenkungen seinem Höhepunkt nähert. Gerade in diesem Höhepunkt findet die Inszenierung einen ihrer brillantesten Momente: Die Versammlung schwappt über die Bühne hinaus und der Zuschauer hört auf, ein passiver Beobachter zu sein, und wird in die kollektive Spannung hineingezogen, fast eingeladen, sich daran zu beteiligen. Der Kunstgriff ist nicht nur effektvoll: Er ist zutiefst kohärent mit dem ideologischen Hintergrund des Werkes. In diesem Kontext sticht die Interpretation von Toni Gomila als Dr. Stockmann hervor. Er baut eine bissige, feste, aber zurückhaltende Figur auf, die jede Schrillheit meidet und mit jeder Szene an Glaubwürdigkeit gewinnt. Seine ist eine Wahrheit, die ohne Großsprecherei, aber mit einer überwältigenden Entschlossenheit gesagt wird; es ist die Geschichte eines Mannes, der ein Problem anprangert, das die Gesundheit und die Zukunft der Gemeinschaft gefährdet und der zum Schweigen gebracht wird, weil die Wahrheit wirtschaftliche Interessen bedroht. Eine Geschichte, die wie ein Hammerschlag nachhallt, nicht zuletzt in einem Mallorca, das versteigert wird, und wo die Doktoren Stockmann, die uns seit Jahrzehnten vor der nahenden Katastrophe warnen, ignoriert werden. Wer sind heute die Stockmanns? Wer wagt es, ein Modell in Frage zu stellen, das kurzfristig Reichtum generiert, aber die kollektive Zukunft gefährdet? Und vor allem, was tut die Mehrheit, wenn diese Stimmen laut werden? In diesem Sinne hört Ein Volksfeind auf, nur ein Klassiker zu sein, und wird zu einem unbequemen Beispiel. Ibsens Antwort bleibt unbequem: Die Wahrheit hat ihren Preis, und oft bleibt derjenige, der sie verteidigt, allein.