TUI beabsichtigt, den neuen nautischen Bus zu betreiben, der fünf Orte in der Bucht von Palma verbinden wird.

Der Reiseveranstalter konkurriert mit dem lokalen Unternehmen Barcos Azules um die Leitung eines Seetransportdienstes, der Kreuzfahrttouristen auf dem Seeweg ins Stadtzentrum bringen soll.

Zukünftige Routen des Palma-Schiffsbusses
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Der Reiseveranstalter TUI bewirbt sich laut ARA Baleares um die Konzession für den Wasserbusverkehr in Palma und gehört zu den Bietern im Rahmen der Ausschreibung der Hafenbehörde der Balearen (APB). Das Bieterverfahren befindet sich in der Endphase und wartet auf die Vergabe. Es handelt sich um einen öffentlichen Wassertransportdienst, der die Bucht als Verbindungspunkt zwischen verschiedenen wichtigen Orten im Hafen und der städtischen Küstenlinie nutzen soll. Das Projekt ist Teil der Umgestaltung der Uferpromenade und der Sanierung der Hafenviertel. Ziel ist es, laut Ausschreibung „den Straßenverkehr zu reduzieren, die Luftqualität zu verbessern und städtischen Raum für Fußgänger und Radfahrer zurückzugewinnen“. TUI konkurriert mit einem Konsortium aus Sercomisa (Trasmapi), ALSA und Barcos Azules um diesen Transportauftrag. Barcos Azules hat seinen Sitz im Hafen von Sóller und verfügt über mehr als 50 Jahre Erfahrung im maritimen Personentransport. Das 1966 gegründete Unternehmen ist auf regelmäßige Schiffsausflüge entlang der Nordküste Mallorcas spezialisiert, mit Routen wie Sóller – La Calobra, Torrent de Pareis und Cala Tuent. TUI, einer der wenigen Tourismusgiganten, die dem Niedergang des traditionellen Reiseveranstaltermodells trotzen konnten, ist bestens mit der Schifffahrt vertraut und betreibt große Kreuzfahrtschiffe unter eigenen Marken wie TUI Cruises (Mein Schiff), Hapag-Lloyd Cruises (Luxus- und Expeditionskreuzfahrten) und Marella Cruises. Zudem organisiert das Unternehmen Flusskreuzfahrten in Europa.

Das Wasserbussystem wird wie ein Stadtbus auf dem Wasser verkehren und eine natürliche Infrastruktur nutzen, die bisher für den täglichen Verkehr kaum genutzt wurde. Laut APB trägt die Initiative dazu bei, „eine der Hauptverkehrsadern der Stadt zu entlasten und gleichzeitig die funktionale Verbindung zwischen Hafen und Stadt über den Tourismus hinaus zu stärken.“ Experten gehen davon aus, dass dieser Transportservice in jedem Fall „klar auf Touristen ausgerichtet sein und Kreuzfahrtpassagiere ins und aus dem Stadtzentrum befördern wird“, obwohl er auch von Anwohnern genutzt werden kann. Der Service wird im Rahmen einer langfristigen Verwaltungskonzession mit einer maximalen Laufzeit von 15 Jahren von einem einzigen Konzessionär betrieben. Diese exklusive Verwaltung gewährleistet Koordination, Betriebssicherheit und einen stabilen Takt in einem Hafengebiet mit hohem Schiffsverkehr. Hauptrouten und Haltestellen

Das Projekt umfasst drei obligatorische Fährverbindungen zwischen strategischen Punkten im Hafen von Palma. Zu den wichtigsten Haltestellen gehören die Maritime Station am Westkai, der Ponent-Kai, der Nahverkehrskai (Golondrinas-Viertel), die Königliche Treppe am Lonja-Kai und, wetterabhängig, Portitxol. Eine Route ist speziell für Kreuzfahrtpassagiere konzipiert und bietet eine direkte Verbindung zwischen dem Westkai und dem Stadtzentrum. Die anderen Routen stehen der Öffentlichkeit offen: Anwohnern, Hafenarbeitern und Besuchern. Diese Kombination ermöglicht die Bewältigung des hohen Passagieraufkommens an touristischen Spitzentagen und gewährleistet gleichzeitig einen zuverlässigen Service das ganze Jahr über. Die Fähre verkehrt täglich von 7:00 bis 22:00 Uhr, am Wochenende bis Mitternacht. Die maximale Taktfrequenz beträgt 30 Minuten. Bei Bedarf, insbesondere zu Spitzenzeiten oder bei gleichzeitiger Ankunft von Kreuzfahrtschiffen, wird die Anzahl der Schiffe erhöht.

Nachhaltige Schiffe und Kapazität

Die erforderliche Mindestflotte umfasst vier Schiffe mit einer Mindestkapazität von 100 Passagieren pro Schiff. Die Schiffe müssen strenge Umweltkriterien erfüllen und über emissionsarme Motoren, Geräuschreduzierung und Technologien zur Dekarbonisierung verfügen. Die Hafenbehörde der Balearen (APB) legt besonderen Wert auf Angebote mit Elektroantrieb und sauberen Energiesystemen, die den Umweltzielen des Hafens von Palma entsprechen. Quellen aus dem Umfeld des Bieterverfahrens bestätigen, dass einige Bieter Schiffe mit ausschließlich elektrischem Antrieb angeboten haben.

Regulierte Preise für den öffentlichen Nahverkehr

Ein zentraler Aspekt des Wasserbusverkehrs in Palma ist die Fahrpreisregulierung. Obwohl die Ausschreibungsbedingungen keinen spezifischen Höchstpreis in Euro festlegen, werden die Fahrpreise nicht unreguliert sein. Der Konzessionär muss in seinem Angebot Preise vorschlagen, die jedoch von der Hafenbehörde genehmigt werden müssen. Diese stellt sicher, dass die Preise mit einem öffentlichen Verkehrsbetrieb vereinbar sind und nicht ausschließlich touristischen Zwecken dienen. Das Tarifsystem muss mindestens Einzel- und Hin- und Rückfahrkarten sowie 20er- und 100er-Karten umfassen, um die regelmäßige Nutzung des Angebots zu fördern. Dieser Ansatz zielt auf moderate und wettbewerbsfähige Preise ab, vergleichbar mit denen des städtischen Landverkehrs, damit der Wasserbus eine echte Alternative zum privaten Pkw darstellt und nicht nur ein einmaliges Erlebnis bietet. Darüber hinaus muss die Hafenbehörde jegliche Fahrpreisänderungen genehmigen und benötigt detaillierte und regelmäßige Informationen über die verkauften Fahrkarten. Ein neues Modell der Beziehung zwischen Hafen und Stadt.

Über die reine Mobilität hinaus wollen die Initiatoren des Wasserbusses in Palma damit einen Paradigmenwechsel im Verhältnis zwischen Stadt und Hafen symbolisieren. Das Projekt zielt darauf ab, den Hafen in eine in den Alltag Palmas integrierte Infrastruktur umzuwandeln, Verkehrsstaus zu reduzieren, das Stadterlebnis zu verbessern und das Meer als Begegnungsraum zurückzugewinnen. Mit dieser Initiative reiht sich Palma in die Riege anderer europäischer Hafenstädte ein, die den Seeverkehr bereits in ihre städtischen Netze integriert haben.

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