Lloret, Haus für Haus: Identität und Erinnerung an ein Jahrhundert Stadt
Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der kommunalen Unabhängigkeit von Lloret (1925–2025) wurde das Buch „Llorito, Haus für Haus. Erinnerung an ein Jahrhundert. Von Llorito nach Lloret“ veröffentlicht, ein Werk, das die Stadt anhand ihrer alltäglichsten Räume feiert: die Straßen, die Häuser und die Menschen, die darin gelebt haben.
LloretDas Buch ist weit mehr als eine Institutionsgeschichte oder eine klassische Chronologie; es bietet eine andere Perspektive: Es erzählt ein Jahrhundert Stadtleben aus der Sicht des Ortes selbst. Das Stadtzentrum, seine Entwicklung, demografische Veränderungen, die Mikrotoponymie Haus für Haus und die mit jedem Ort verbundenen Erinnerungen bilden den roten Faden eines Werkes, das dokumentiert, wie sich die Stadt im Laufe eines Jahrhunderts verändert hat – und wie sie sich erhalten hat. Laut den beiden Hauptautoren begann das Projekt mit der Idee, ein Gedenkbuch zum hundertjährigen Jubiläum zu erstellen. Doch die schiere Menge des gesammelten Materials – Interviews, mündliche Aufzeichnungen, historische Fotografien und diverse Dokumente – machte schnell deutlich, dass eine einzelne Publikation nicht ausreichen würde. Daher war das Werk von Anfang an als zweibändiges Werk konzipiert, dessen erster Band sich vor allem mit dem Stadtraum und seiner Transformation befasst.
Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf der demografischen Analyse. Die Einwohnerzahl von Lloret stieg von 1.172 im Jahr 1924 auf 1.619 im Jahr 2024, jedoch nicht linear. Im 20. Jahrhundert ging die Bevölkerung stark zurück, gefolgt von einem deutlichen Anstieg im letzten Viertel des Jahrhunderts und einem beschleunigten Wachstum im 21. Jahrhundert. Diese Daten helfen, die Veränderungen der Stadtstruktur und die Entstehung neuer Straßen zu verstehen. Das Buch dokumentiert zudem die Entwicklung des Stadtzentrums anhand von Karten, Diagrammen und Fotografien von den frühesten Aufzeichnungen bis heute. Ein Schlüsselmoment ist die Eröffnung des Stadtteils Eixample im Jahr 1933, die den Beginn einer neuen Phase der Stadtentwicklung markierte. Eine der einzigartigsten Leistungen des Werkes ist die urbane Mikrotoponymie: die Identifizierung von Häusern, Straße für Straße, mit ihren gebräuchlichen Namen, Nutzungen und Aktivitäten im Laufe des 20. Jahrhunderts. Friseursalons, Weingüter, Geschäfte, Cafés, Bäckereien, Tabakläden, Gasthäuser und Vereine gehören alle zu dieser Kartografie des Alltags, die im zweiten Band erweitert wird.
Dieses Werk wird ergänzt durch Biel Bonníns Sammlung von 78 Fassadenzeichnungen aus den Jahren 1989 bis 2014, die einen visuellen Vergleich der architektonischen Veränderungen der Stadt ermöglichen, sowie durch eine umfangreiche Fotosammlung. Insgesamt wurden „fast 700 Fotografien aus 29 Privatsammlungen digitalisiert, dank der Mitarbeit zahlreicher Familien und Einwohner der Stadt“, erklären Bibiloni und Ramis. Das Buch enthält außerdem aktuelle Aufnahmen aus dem Jahr 2025 von Xisca Bonet und Biel Modino, die mit den historischen Fotografien in Dialog treten und Kontinuitäten und Transformationen aufzeigen. In vielen Fällen ermöglichen diese Bilder die Identifizierung bestimmter Personen, Nutzungen und Momente – eine akribische Aufgabe, die die Autoren als einen der komplexesten Aspekte des Projekts hervorheben. Neben den Daten und Bildern…Ein leises Weinen, Haus für HausEs ist die Rückgewinnung des Ortes als Identitätsmerkmal, als Raum der Begegnung und als Ort der Erinnerung. Die Straßen sind nicht bloß Kulissen, sondern gelebte Räume, in denen seit hundert Jahren das soziale, wirtschaftliche und gemeinschaftliche Leben blüht. Wie die Autoren betonen, will das Buch eine Antwort auf das Konzept des „Nicht-Ortes“ sein und jene Orte hervorheben, die uns als Gemeinschaft definieren.
Das Projekt ist das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung, an der neben Pau Bibiloni und Andreu Ramis Puiggros auch Antoni Ginard, Joan Vanrell, Biel Bonnín, Maria Joana Mateu – verantwortlich für die Digitalisierung des Materials – und viele andere, die Dokumente beigesteuert haben, beteiligt waren. Diese Stimmen, die in über sechzig Interviews gesammelt wurden, werden insbesondere im zweiten Band, der sich mit den Aktivitäten, dem Gewerbe und dem sozialen Leben des Dorfes befasst, eine wichtige Rolle spielen. Mit diesem ersten Buch hinterlässt Lloret ein schriftliches und visuelles Zeugnis eines Jahrhunderts voller Veränderungen. Vor allem aber schafft er ein gemeinsames Gedächtnis, das Generationen verbindet – ein Werk, das nicht nur die Vergangenheit betrachtet, sondern uns auch hilft, die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft der Stadt zu gestalten.